Feldoptik

Ferngläser · Kaufberatung

Fernglas für die Jagd: 8x42, 10x42 oder 8x56?

Von Peter Lakenbrink · Aktualisiert · 8 Min. Lesezeit

Dieser Artikel enthält Partnerlinks. Kaufen Sie darüber, erhalten wir eine Provision, ohne dass sich der Preis ändert. Wie wir uns finanzieren

Für die meisten Jäger ist ein 8x42 das beste einzelne Glas: tauglich für Pirsch, Drückjagd und Ansitz bis weit in die Dämmerung. Ein 8x56 lohnt sich für den Ansitz in tiefer Dämmerung, aber nur so lange Ihre Pupille die 7 mm Austrittspupille auch nutzen kann, und das ist im Mittel nur bis Ende 20 voll der Fall. Ein 10x42 ist das Glas für Feld, Wiese und Gebirge. Ein eingebauter Entfernungsmesser ist bequem, ersetzt aber kein gutes Ansprechen.

Welche Jagdart, welches Glas

Format nach Jagdart (Entscheidungshilfe)
JagdartEmpfehlungWarum
Ansitz im Wald, Kirrung8x56 oder 8x42Kurze bis mittlere Distanz, wenig Licht, Glas liegt auf
Ansitz an Feld und Wiese8x56, 10x42 oder 10x50Ansprechen auf 100–250 m, Dämmerungszahl zählt
Pirsch8x42 oder 8x32Gewicht, schnelles Erfassen, ruhiges Bild auch mit Puls
Drückjagd8x32 oder 8x42Großes Sehfeld, schnell anwerfen, meist Tageslicht
Gebirgsjagd10x42 oder 10x32Große Distanzen, Gewicht wird jeden Höhenmeter getragen
Ein Glas für alles8x42Der beste Kompromiss aus Licht, Gewicht und Sehfeld

Die Grundfrage zwischen 8x und 10x haben wir in einem eigenen Beitrag ausführlich gerechnet: 8x42 oder 10x42. Für die Jagd kommt eine zweite Frage dazu: Wie groß darf das Objektiv sein, bevor Sie Gewicht für Licht tragen, das Ihr Auge gar nicht mehr aufnimmt?

8x56 oder 8x42: die Rechnung mit Ihrer Pupille

Ein 8x56 liefert eine Austrittspupille von 56 ÷ 8 = 7,0 mm, ein 8x42 von 5,25 mm. Auf dem Papier ist das 8x56 damit flächig um (7,0 ÷ 5,25)² = 1,78, also 78 Prozent heller. Diesen Vorteil bekommen Sie aber nur, wenn Ihre Pupille in der Dämmerung mindestens 7 mm weit wird. Ist sie kleiner, schneidet Ihr Auge den Rand des Lichtbündels einfach ab.

Junge Menschen erreichen im Dunkeln etwa 7 bis 8 mm, mit dem Alter sinkt der Höchstwert auf rund 5 mm. Eine Auswertung von Lazar und Kollegen (2024) liefert dafür eine Regressionsformel: maximale Pupille = 8,13 mm − 0,408 mm × (Alter ÷ 10). Mit diesen Mittelwerten haben wir gerechnet:

Was vom 8x56 bei Ihnen ankommt (Mittelwerte, eigene Rechnung)
AlterPupille im Dunkeln ca.Genutzt beim 8x56Wirkt wieVorsprung gegenüber 8x42
20 Jahre7,3 mm7,0 mm8x56+78 %
30 Jahre6,9 mm6,9 mm8x55+73 %
40 Jahre6,5 mm6,5 mm8x52+53 %
50 Jahre6,1 mm6,1 mm8x49+35 %
60 Jahre5,7 mm5,7 mm8x46+18 %
70 Jahre5,3 mm5,3 mm8x42+2 %

Rechenweg: Regressionsformel nach Lazar et al. (2024), Vorsprung = (genutzte Pupille ÷ 5,25 mm)². „Wirkt wie“ ist die genutzte Pupille mal Vergrößerung. Die Streuung zwischen Menschen ist groß: bis 50 Jahre etwa ±0,7 mm, darüber etwa ±1 mm. Wer es genauer wissen will, misst die eigene Pupille im Dunkeln (Augenarzt, Optiker) und rechnet mit dem Fernglas-Rechner nach.

3 4 5 6 7 8 mm 20 40 60 80 Jahre Pupille im Dunkeln (Mittel) 8x56 8x42 10x42 Alter
Genutzte Austrittspupille nach Alter, gerechnet mit Mittelwerten. Ab Ende 20 folgt das 8x56 der Pupille nach unten, das 8x42 bleibt im Mittel bis etwa 70 voll genutzt. Das Diagramm zeigt eine Tendenz, keine individuelle Messung.

Was die Tabelle nicht zeigt: Ein großes Lichtbündel macht das Glas auch bequemer. Mit 7 mm Austrittspupille müssen Sie das Auge weniger genau positionieren, das Bild bleibt beim Wackeln am Hochsitz stabil im Okular. Das ist ein echter Vorteil, auch wenn die Helligkeit für Ihr Auge nicht mehr ganz ankommt. Dagegen stehen 300 bis 500 g Mehrgewicht. Der Beitrag Austrittspupille und Alter geht tiefer in die Physiologie.

Gewicht, Riemen und Handhabung im Revier

Ein 8x56 wiegt typischerweise 1.000 bis 1.300 g. Am Hochsitz liegt es auf der Brüstung, auf der Pirsch zieht es am Nacken. Ein Brustgurt (Harness) verteilt das Gewicht und verhindert, dass das Glas beim Bücken gegen Gewehr oder Leiter schlägt. Ein paar Punkte, die im Datenblatt stehen und sich auf der Jagd auswirken:

  • Großes Fokusrad, das sich mit Handschuh bedienen lässt.
  • Augenmuscheln mit festen Raststufen, die sich beim Hantieren nicht verstellen.
  • Gummiarmierung und Füllung mit Stickstoff oder Argon gegen Beschlag beim Wechsel vom warmen Auto in die kalte Nacht.
  • Naheinstellgrenze ist nebensächlich, Sehfeld bei der Drückjagd dagegen wichtig.
  • Linsen mit wasser- und schmutzabweisender Beschichtung, bei Regen ein großer Vorteil.

Ferngläser mit Entfernungsmesser: was sie bringen

Ein Laser-Entfernungsmesser im Fernglas misst per Knopfdruck die Distanz zum Ziel. Für die Jagd heißt das: sicher einschätzen, ob ein Stück in einer vertretbaren Entfernung steht. Viele Modelle zeigen zusätzlich den Winkel oder eine winkelkorrigierte Distanz an, was im Gebirge hilft. Ein Fernglas mit Entfernungsmesser ist ein Beobachtungsgerät und frei erhältlich.

Spricht dafür

  • Ein Gerät statt zwei, keine Suche nach dem separaten Messer
  • Distanz zum Ziel, zu Wechseln und Landmarken vorab ermitteln
  • Winkelkorrektur bei Schüssen bergauf oder bergab

Spricht dagegen

  • Deutlich teurer als das gleiche Glas ohne Messer
  • Batterie, Elektronik, etwas mehr Gewicht
  • Bei Regen, Nebel und dunklem Wild verkürzt sich die Messreichweite deutlich

Die Herstellerangabe zur Reichweite gilt meist für gut reflektierende Ziele. Ein Reh im Dämmerlicht oder ein dunkles Wildschwein reflektiert schlechter. Rechnen Sie im Revier mit spürbar weniger als dem Prospektwert.

Wärmebild als Ergänzung, nicht als Ersatz

Viele Jäger kombinieren heute ein lichtstarkes Fernglas mit einem Wärmebild-Handgerät. Das Wärmebild findet das Stück, das Fernglas spricht es an, solange noch Restlicht da ist. Beide Aufgaben unterscheiden sich: Entdecken geht mit Wärmebild auf große Entfernungen, sicheres Ansprechen braucht deutlich mehr Auflösung. Was die Reichweitenangaben der Hersteller bedeuten, erklärt der Ratgeber Wärmebildkamera zur Tierbeobachtung. Die Rechtslage für Nachtsicht- und Wärmebildtechnik ist in Bewegung, den Stand fasst der Beitrag Nachtsichtgerät und Wärmebild: Was ist erlaubt? zusammen. Hier geht es nur um Handgeräte zur Beobachtung.

Jagdferngläser nach Preisklasse

Wir haben die Geräte nicht selbst getestet. Die Werte stammen aus Herstellerdatenblättern und dem Steiner-Katalog 04/2026, die Einschätzungen aus Besitzerberichten und Fachpresse. Preise sind grobe Klassen, Stand Oktober 2026, und fehlen, wo wir sie nicht sicher einordnen konnten.

Allround- und Dämmerungsgläser

Einstieg · unter 300 €

Bresser Pirsch ED 8x42

Sehfeld
125 m / 1.000 m
Augenabstand
17,1 mm
Naheinstellung
2 m
Gewicht
615 g

Für wen: Jungjäger, die ein günstiges 8x42 für Pirsch und Ansitz suchen.

  • ED-Glas und Phasenkorrektur, wasserdicht nach IPX7
  • Leicht für ein 42er
  • Augenweite erst ab 57 mm
  • In der Dämmerung und im Gegenlicht nicht auf dem Niveau der Mittelklasse
Bei Bresser ansehen

Einstieg · unter 300 €

Hawke Endurance ED 8x56

Sehfeld
117 m / 1.000 m
Augenweite
60–76 mm
Naheinstellung
2,5 m
Gewicht
1.005 g

Für wen: Ansitzjäger, die ein lichtstarkes Glas ausprobieren wollen, ohne viel Geld zu binden.

  • 7 mm Austrittspupille zum kleinen Preis
  • Mit rund 1 kg leichter als viele 56er
  • Augenweite erst ab 60 mm, für schmale Gesichter zu breit
  • Engeres Sehfeld als die teureren 56er
Bei Astroshop ansehen

Mittelklasse

Steiner Nighthunter 8x56

Gewicht
ca. 1.100 g
Wasserdicht
bis 5 m
Fokus
Sports-Auto-Focus, scharf ab ca. 20 m

Für wen: Ansitzjäger, die ohne ständiges Nachfokussieren beobachten wollen.

  • Fokusfreies Beobachten ab etwa 20 m
  • Robust und tief wasserdicht
  • Für kurze Distanzen ungeeignet
  • Augenabstand und Augenweite nennt Steiner im Katalog nicht, das Sehfeld widersprüchlich (131 bzw. 135 m)
Bei Astroshop ansehen

Gehobene Klasse

Zeiss Conquest HDX 8x56

Sehfeld
125 m / 1.000 m
Augenabstand
18 mm
Augenweite
56–74 mm
Gewicht
1.235 g

Für wen: Ansitzjäger, die ein lichtstarkes Glas für Jahrzehnte suchen und auch mit Brille schauen.

  • 18 mm Augenabstand, gut mit Brille
  • Wasserdicht (400 mbar), Nachfolger des Conquest HD 8x56
  • Mit 1.235 g das schwerste Glas dieser Auswahl
  • 3,5 m Naheinstellung
Bei Astroshop ansehen

Spitzenklasse · über 1.500 €

Zeiss Victory HT 8x54

Sehfeld
130 m / 1.000 m
Augenabstand
16 mm
Augenweite
58–76 mm
Gewicht
1.035 g

Für wen: Jäger, die in tiefer Dämmerung ansprechen und ein vergleichsweise leichtes Großglas wollen.

  • Rund 200 g leichter als das Conquest HDX 8x56
  • 6,75 mm Austrittspupille, weites Sehfeld
  • Sehr teuer
  • Augenweite erst ab 58 mm
Bei Astroshop ansehen

Ferngläser mit Entfernungsmesser

Spitzenklasse · über 1.500 €

Leica Geovid Pro 8x42

Messbereich
10 bis ca. 2.950 m
Sehfeld
130 m / 1.000 m
Augenabstand
18 mm
Gewicht
ca. 1.000 g

Für wen: Jäger im Gebirge und auf weiten Flächen, die Kompass, Winkel und Ballistik in einem Gerät wollen.

  • Größter Messbereich dieser Auswahl
  • Kompass, GPS, Bluetooth und Ballistik-Funktionen nach Datenblatt
  • Rund 1 kg und sehr teuer
  • Ca. 5 m Naheinstellung
Bei Astroshop ansehen

Spitzenklasse · über 1.500 €

Zeiss Victory RF 8x42

Messbereich
10 bis 2.300 m
Sehfeld
135 m / 1.000 m
Augenabstand
16 mm
Gewicht
930 g

Für wen: Jäger, die das Glas auch auf kurze Distanz nutzen und per App konfigurieren wollen.

  • Naheinstellung 2,5 m, kurz für ein Entfernungsmesser-Glas
  • Bluetooth und Hunting-App, Winkelkorrektur
  • Laut Datenblatt dicht bis 100 mbar, weniger als viele reine Ferngläser
  • Sehr teuer
Bei Astroshop ansehen

Spitzenklasse · über 3.000 €

Swarovski EL Range TA 8x42

Messbereich
10 bis 2.000 m
Sehfeld
140 m / 1.000 m
Augenabstand
19 mm
Gewicht
930 g ohne Batterie

Für wen: Jäger, die ein weites Bild und gute Brillentauglichkeit über die maximale Messreichweite stellen.

  • Weitestes Sehfeld und längster Augenabstand dieser Auswahl
  • Tracking Assistant zum Wiederfinden des Anschusses, Winkelmessung
  • Kürzester Messbereich der drei
  • Teuerstes Gerät dieser Auswahl
Bei Astroshop ansehen

Leica hat im September 2026 mit dem Geovid Max 10x42 ein neues Modell vorgestellt. Das Datenblatt nennt bis zu 7.500 m auf stark reflektierende Ziele und 2.650 m für Rehwild. Ob es das Geovid Pro ablöst, war zum Redaktionsstand nicht klar.

Unsere Empfehlung: das 8x42 zuerst, das 8x56 nur mit Grund

Wer ein Glas für alles sucht, kauft ein 8x42 in guter Qualität und hat für fast jede Jagdart ein passendes Werkzeug. Ein 8x56 lohnt sich, wenn Sie regelmäßig in tiefer Dämmerung ansitzen und die 7 mm Austrittspupille nutzen können, im Mittel also bis Ende 20 voll und bis etwa 50 noch deutlich, mit rund einem Drittel mehr Licht als ein 8x42. Für Feldjäger über 50 ist ein 10x42 oft die klügere Alternative, weil es bei der Detailerkennung mithält und ein Drittel leichter ist. Den Entfernungsmesser kaufen Sie, wenn Sie ihn ohnehin separat mitnehmen würden. Alle Kenngrößen im Zusammenhang erklärt der Ratgeber Fernglas kaufen.

Häufige Fragen

Welches Fernglas ist das beste für die Jagd?

Für die meisten Jäger ein 8x42, weil es für fast jede Jagdart passt. Für den Ansitz in tiefer Dämmerung kommt ein 8x56 dazu, im Gebirge ein 10x42 oder 10x32.

8x56 oder 10x42 für den Ansitz?

Das 8x56 ist heller und bequemer am Auge, das 10x42 zeigt etwas mehr Details auf Distanz und ist deutlich leichter. Ab etwa 50 Jahren schrumpft der Helligkeitsvorteil des 8x56, weil die Pupille sich nicht mehr so weit öffnet.

Lohnt sich ein Fernglas mit Entfernungsmesser?

Wenn Sie ohnehin einen separaten Entfernungsmesser mitnehmen würden, ja. Es ist deutlich teurer und schwerer als dasselbe Glas ohne Messer.

Ist ein Fernglas mit Entfernungsmesser erlaubt?

Ja, ein Fernglas mit Laser-Entfernungsmesser ist ein Beobachtungsgerät und frei erhältlich. Einschränkungen betreffen Nachtsicht- und Wärmebildtechnik an Waffen, nicht Ferngläser.

Ab welchem Alter lohnt sich ein 8x56 nicht mehr?

Im Durchschnitt nutzt die Pupille die 7 mm nur bis Ende 20 voll, mit 60 kommen noch rund 18 Prozent Vorsprung gegenüber einem 8x42 an. Die Streuung ist groß, eine Messung beim Augenarzt schafft Klarheit.

Peter Lakenbrink Mathematiker & Drohnenpilot

Peter hat Mathematik studiert und ist als FPV- und Drohnenpilot viel draußen unterwegs. Er schreibt die Rechner dieser Seite selbst und prüft jede Formel nach. So entstehen unsere Ratgeber.

Quellen

  1. Lazar R et al. (2024): Regulation of pupil size in natural vision across the human lifespan. Royal Society Open Science
  2. Wikipedia: Pupille (Durchmesser und Altersmiosis)
  3. Zeiss: Conquest HDX Ferngläser
  4. Zeiss: Victory HT
  5. Zeiss: Victory RF
  6. Swarovski Optik: EL Range 8x42 mit Tracking Assistant
  7. Steiner: Katalog Hunting 04/2026
  8. Hawke: Endurance 8x56
  9. Bresser: Pirsch ED 8x42
  10. Leica: Geovid Max 10x42, technische Daten (09/2026)

Weiterlesen