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Ferngläser · Ratgeber

Fernglas richtig einstellen und reinigen: Augenabstand, Dioptrie, Linsenpflege

Von Peter · Aktualisiert · 8 Min. Lesezeit

Ein Fernglas stellen Sie in vier Schritten auf Ihre Augen ein: Augenmuscheln passend zur Brille drehen, Augenabstand so knicken, dass ein einziges rundes Bild entsteht, mit dem Mitteltrieb das linke Auge scharfstellen und dann mit dem Dioptrienring das rechte. Das dauert beim ersten Mal zwei Minuten und muss danach nur noch selten wiederholt werden. Viele vermeintliche Optikmängel, etwa schwarze Ränder oder ein unscharfes Bild auf einem Auge, gehen auf einen dieser vier Punkte zurück.

Die Bedienelemente im Überblick

Fast alle heutigen Ferngläser haben eine Mittelfokussierung. Ein Rad zwischen den Tuben stellt beide Seiten gleichzeitig scharf, ein Ring an einem Okular gleicht die Sehunterschiede zwischen Ihren Augen aus. Nikon nennt diese Bauart CF (Central Focus). Die Gegenform mit Einzelokulareinstellung (IF) finden Sie heute fast nur noch bei Marine-Ferngläsern und manchen großen Astroferngläsern.

Knickbrücke (Augenabstand) Mitteltrieb Objektiv Objektiv Augenmuschel Dioptrienring links rechts
Schematische Draufsicht eines Dachkant-Fernglases mit Mitteltrieb. Bei den meisten Modellen sitzt der Dioptrienring am rechten Okular, bei einigen ist er in den Mitteltrieb integriert.

In vier Schritten einstellen

  1. Augenmuscheln einstellen. Ohne Brille drehen Sie die Augenmuscheln ganz heraus, mit Brille ganz hinein. So steht Ihr Auge dort, wo die Austrittspupille liegt, und Sie sehen das ganze Bildfeld ohne Abschattung. Viele Gläser haben Zwischenrasten. Wenn bei ganz herausgedrehten Muscheln ein schwarzer Rand bleibt, probieren Sie eine Raste tiefer.
  2. Augenabstand einstellen. Halten Sie das Glas mit beiden Händen, schauen Sie auf ein entferntes Ziel und knicken Sie die beiden Hälften an der Brücke zusammen oder auseinander, bis die zwei Bildkreise zu einem einzigen runden Kreis verschmelzen. Sehen Sie eine liegende Acht oder schwarze Sicheln an den Seiten, passt der Abstand noch nicht. Merken Sie sich den Wert auf der Skala, sofern Ihr Glas eine hat.
  3. Linkes Auge mit dem Mitteltrieb scharfstellen. Suchen Sie ein kontrastreiches, unbewegtes Ziel in Ihrer üblichen Beobachtungsentfernung, etwa ein Schild oder eine Dachkante in 30 bis 50 m. Decken Sie das rechte Objektiv mit der Hand ab, statt das rechte Auge zuzukneifen; Zukneifen verändert die Spannung im offenen Auge. Drehen Sie den Mitteltrieb, bis das Bild links knackscharf ist.
  4. Rechtes Auge mit dem Dioptrienring angleichen. Jetzt das linke Objektiv abdecken und nur am Dioptrienring drehen, nicht mehr am Mitteltrieb, bis auch rechts alles scharf ist. Nehmen Sie die Hand weg und prüfen Sie mit beiden Augen. Notieren Sie den Wert auf der Dioptrienskala oder markieren Sie ihn mit einem feinen Lackstift.

Sitzt der Dioptrienring links, tauschen Sie in Schritt 3 und 4 die Seiten. Bei Gläsern, deren Dioptrienausgleich im Mitteltrieb steckt, ziehen oder drücken Sie das Rad meist in eine zweite Position; die Bedienungsanleitung beschreibt das für Ihr Modell.

Im Alltag nur noch fokussieren

Nach der Grundeinstellung brauchen Sie nur noch den Mitteltrieb. Er gleicht unterschiedliche Entfernungen aus, beide Augen bleiben dabei im richtigen Verhältnis. Ein paar Gewohnheiten helfen:

  • Fokussieren Sie leicht über den Schärfepunkt hinaus und dann zurück. So finden Sie die beste Schärfe schneller als durch langsames Herantasten.
  • Die Naheinstellgrenze steht im Datenblatt. Näher als dieser Wert wird das Glas nicht scharf, gleichgültig wie weit Sie drehen. Für Schmetterlinge und Libellen sind Gläser mit 2 m oder weniger angenehm.
  • Prüfen Sie den Dioptrienring gelegentlich. Bei manchen Gläsern verstellt er sich beim Ein- und Auspacken. Ringe mit Arretierung verhindern das.
  • Benutzen mehrere Personen ein Glas, merkt sich jede ihren Augenabstand und Dioptriewert. So dauert das Umstellen Sekunden.

Mit Brille oder ohne?

Bei reiner Kurz- oder Weitsichtigkeit können Sie die Brille abnehmen: Der Mitteltrieb gleicht die Fehlsichtigkeit aus, solange sie im Fokussierbereich des Glases liegt. Bei starker Kurzsichtigkeit kann es sein, dass Sie für ferne Ziele an den Anschlag des Triebs kommen. Haben Sie eine Hornhautverkrümmung, ist das Bild mit Brille fast immer schärfer, weil der Fokus nur sphärische Fehler ausgleicht.

Mit Brille steht Ihr Auge weiter vom Okular entfernt. Nikon empfiehlt Brillenträgern deshalb Gläser mit langem Augenabstand (hoher Austrittspupillenlage), sonst schneidet der Okularrand das Bildfeld ab. Wie viele Millimeter es für Ihre Brille sein sollten und welche Modelle das bieten, steht im Ratgeber Fernglas für Brillenträger. Warum sich ein Weitwinkelglas für Brillenträger manchmal schmaler anfühlt als erwartet, erklärt der Beitrag zum Sehfeld.

Was die Skalen am Fernglas anzeigen

Viele Gläser haben zwei Skalen, die beim Einstellen helfen, aber oft missverstanden werden.

Dioptrienskala

Die Skala am Dioptrienring zeigt nicht Ihre Brillenstärke, sondern den Unterschied zwischen beiden Seiten des Fernglases. Steht der Ring auf 0, sind linke und rechte Optik gleich eingestellt. Eine Abweichung bedeutet, dass ein Auge etwas anders bricht als das andere. Mit Brille landen viele Menschen in der Nähe von 0, weil die Brille den Unterschied bereits ausgleicht. Ohne Brille kann der passende Wert grob dem Unterschied zwischen Ihren beiden Brillengläsern entsprechen, genau ablesen lässt er sich daraus aber nicht. Stellen Sie den Ring deshalb immer nach Augenmaß ein, wie oben beschrieben, und merken Sie sich das Ergebnis.

Wer mal mit und mal ohne Brille beobachtet, braucht zwei Einstellungen. Notieren Sie beide Werte, etwa mit einem kleinen Aufkleber auf der Unterseite des Glases.

Skala für den Augenabstand

Manche Ferngläser haben an der Knickbrücke eine Millimeterskala. Bei vielen Modellen entspricht der eingestellte Wert ungefähr Ihrem Pupillenabstand, der auch im Brillenpass steht. Das ist praktisch, wenn Sie ein Glas teilen: Jeder stellt seinen Wert ein und muss nicht neu probieren. Lässt sich ein Fernglas nicht weit genug zusammenknicken, sehen Sie trotz aller Mühe nie einen sauberen Kreis. Das betrifft vor allem Kinder und Menschen mit eng stehenden Augen; prüfen Sie vor dem Kauf den kleinsten einstellbaren Augenabstand im Datenblatt.

Typische Fehlerbilder und ihre Ursachen

Was Sie sehen, woran es meist liegt und was hilft
SymptomWahrscheinliche UrsacheAbhilfe
Schwarze Sicheln, die beim Bewegen wandernAuge zu nah oder zu weit vom OkularAugenmuscheln eine Raste anders stellen
Liegende Acht statt KreisAugenabstand passt nicht zu Ihren AugenGlas knicken, bis ein runder Kreis entsteht
Ein Auge scharf, das andere nichtDioptrie verstellt oder nie eingestelltSchritt 3 und 4 wiederholen
Bild verschwimmt bei schräger KopfhaltungAuge außerhalb der AustrittspupilleKopf gerade, Glas fest an die Augenbrauen
Doppelbild, Augen ermüden, KopfschmerzKollimation verstellt, etwa nach SturzTest unten, dann Hersteller-Service
Bild innen beschlagenSchneller Temperaturwechsel bei nicht abgedichtetem GlasLangsam trocknen lassen, nicht heizen
Milchiges, kontrastarmes BildFettfilm auf Okular oder ObjektivReinigen wie unten beschrieben

Kollimation grob prüfen

Kollimation heißt, dass beide Tubusse exakt parallel ausgerichtet sind. Ist das nicht der Fall, muss Ihr Gehirn zwei leicht versetzte Bilder zusammenführen. Kleine Fehler gleicht es aus, auf Kosten müder Augen. Ein einfacher Hinweis, keine exakte Messung:

  1. Ziel wählen. Eine waagerechte Linie in großer Entfernung, etwa eine Dachkante oder ein Horizont. Das Glas am besten auf einem Zaunpfahl oder Stativ auflegen.
  2. Langsam wegziehen. Schauen Sie mit beiden Augen hindurch und bewegen Sie den Kopf langsam einige Zentimeter vom Okular weg. Die beiden kleiner werdenden Bildkreise sollten die Linie auf gleicher Höhe zeigen.
  3. Bewerten. Steht die Linie in einem Kreis sichtbar höher als im anderen, ist die Kollimation vermutlich verstellt. Ein seitlicher Versatz ist weniger auffällig, weil die Augen ihn besser ausgleichen. Selbst justieren sollten Sie nicht; die Einstellschrauben sitzen meist unter der Armierung, und ein Eingriff kann die Garantie kosten.

Linsen reinigen, ohne Kratzer zu machen

Die häufigste Ursache für Kratzer auf der Vergütung ist Staub, der beim Wischen über das Glas gerieben wird. Deshalb gilt: erst trocken, dann feucht. Nikon beschreibt das so: Staub mit einem weichen, fettfreien Pinsel entfernen, Flecken danach sehr sanft mit fettfreiem Linsenreinigungspapier oder einem sauberen, weichen Baumwolltuch abwischen, das mit etwas reinem Alkohol angefeuchtet ist.

  1. Staub entfernen. Mit einem Blasebalg oder einem weichen Objektivpinsel. Nicht pusten, sonst landen Speicheltröpfchen auf der Linse.
  2. Grobe Verschmutzung lösen. Sand und Salzkrusten nach Strandtagen vorher vorsichtig abtupfen, nicht wischen.
  3. Flecken entfernen. Reinigungstuch oder Linsenpapier leicht mit Reinigungsflüssigkeit oder reinem Alkohol anfeuchten, niemals die Flüssigkeit direkt auf die Linse sprühen, damit nichts in die Fassung läuft. Mit wenig Druck in kreisenden Bewegungen von der Mitte nach außen wischen.
  4. Nachpolieren. Mit einem trockenen, sauberen Teil des Tuchs. Ist ein Fleck nach zwei Durchgängen nicht weg, lieber aufhören als fester drücken.

Lagerung, Regen und Temperatur

  • Nicht dauerhaft in der Tasche lagern. Taschen nehmen Feuchtigkeit auf, Nikon warnt, dass sich dort leicht Schimmel bilden kann. Besser ist ein luftdichter Behälter mit Trockenmittelbeutel, im Alltag reicht ein offenes Regal in einem trockenen Raum.
  • Nach Regen trocken wischen. Auch wasserdichte Gläser sollten Sie nach Regen, Tau oder Nebel mit einem trockenen Tuch abwischen. Ein in Wasser gefallenes Glas trocknen und beim Händler oder Hersteller prüfen lassen.
  • Hitze meiden. Nicht im Auto in der Sonne liegen lassen, nicht neben Heizkörpern lagern.
  • Temperaturwechsel abwarten. Kommen Sie aus der Kälte in einen warmen Raum, beschlägt das Glas außen. Lassen Sie es von selbst trocknen. Bei nicht gasgefüllten Gläsern kann sich Feuchtigkeit auch innen niederschlagen, die mit der Zeit die Bildqualität verschlechtert.
  • Mechanik schonen. Fokus- und Dioptrienring nicht über den Anschlag drehen, Stöße und Stürze vermeiden. Schon ein Sturz aus Hüfthöhe kann die Kollimation verstellen.
  • Nie in die Sonne schauen. Auch nicht kurz und nicht in der tief stehenden Abendsonne. Das gebündelte Licht kann das Auge dauerhaft schädigen.

Wann das Glas zum Service gehört

Doppelbilder nach einem Sturz, Feuchtigkeit oder Staub im Inneren, ein schwergängiger oder schleifender Mitteltrieb und abgelöste Armierung sind Fälle für den Hersteller-Service. Viele Markenhersteller bieten lange Garantien, die einen Eingriff auf eigene Faust aber meist ausschließen. Kaufen Sie gerade ein neues Glas, achten Sie auf Garantiebedingungen und Servicestandort in Europa; unser Fernglas-Kaufratgeber erklärt, worauf es dabei ankommt. Für Kinder ist der Augenabstand oft der Knackpunkt, weil viele Erwachsenengläser sich nicht eng genug zusammenknicken lassen; Hinweise dazu gibt der Beitrag Fernglas für Kinder. Und wer in der Dämmerung trotz korrekter Einstellung wenig sieht, findet die Erklärung oft bei der eigenen Pupille: Austrittspupille und Alter.

Häufige Fragen

Welches Auge stellt man beim Fernglas zuerst scharf?

Bei den meisten Ferngläsern sitzt der Dioptrienring rechts. Dann stellen Sie zuerst das linke Auge mit dem Mitteltrieb scharf und gleichen danach das rechte Auge mit dem Dioptrienring an. Sitzt der Ring links, gilt die umgekehrte Reihenfolge.

Warum sehe ich im Fernglas schwarze Ränder?

Meist stimmt der Abstand zwischen Auge und Okular nicht: Ohne Brille sollten die Augenmuscheln ganz herausgedreht sein, mit Brille ganz eingedreht. Auch ein zu weit oder zu eng gestellter Augenabstand erzeugt schwarze Sicheln.

Kann ich mit Brille durch ein Fernglas schauen?

Ja, wenn das Fernglas genug Augenabstand zum Okular bietet und Sie die Augenmuscheln eindrehen. Bei reiner Kurz- oder Weitsichtigkeit können Sie die Brille oft auch abnehmen und über den Fokus ausgleichen, bei Hornhautverkrümmung ist Beobachten mit Brille meist schärfer.

Womit reinigt man Fernglaslinsen?

Zuerst Staub mit Blasebalg oder weichem, fettfreiem Pinsel entfernen. Danach Flecken mit Linsenreinigungspapier oder einem sauberen weichen Tuch und etwas reinem Alkohol abwischen, wie Nikon es empfiehlt. Kein Samt, keine Papiertaschentücher.

Wie merke ich, ob mein Fernglas dejustiert ist?

Typische Zeichen sind Doppelbilder, die das Gehirn nicht zusammenführt, müde Augen oder Kopfschmerzen nach wenigen Minuten. Tritt das nach einem Sturz auf, gehört das Glas zum Hersteller-Service.

Peter

Peter Mathematiker & Drohnenpilot

Peter hat Mathematik studiert und ist als FPV- und Drohnenpilot viel draußen unterwegs. Er schreibt die Rechner dieser Seite selbst und prüft jede Formel nach. So entstehen unsere Ratgeber.

Quellen

  1. Nikon Sport Optics Guide: How to use CF binoculars
  2. Nikon Sport Optics Guide: Precautions (Pflege, Reinigung, Lagerung)
  3. Nikon Sport Optics Guide: Eye relief
  4. Nikon Sport Optics Guide: Übersicht Ferngläser

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