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Ferngläser · Kaufberatung

Fernglas für Kinder: Welches passt zu welchem Alter?

Von Peter · Aktualisiert · 7 Min. Lesezeit

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Kinderhände halten ein Fernglas auf einem Tisch neben einem Notizblock
Kind mit Fernglas und Notizblock · Foto: Shixart1985, CC BY 2.0 (Lizenz)

Ein gutes Kinderfernglas muss sich vor allem eng genug zusammenklappen lassen: Kinderaugen stehen näher beieinander als die von Erwachsenen, und viele Erwachsenengläser lassen sich nicht weit genug schließen. Dann sieht das Kind zwei Kreise oder schaut nur mit einem Auge. Ideal sind 4- bis 8-fache Vergrößerung, ein Gewicht unter 500 g, Gummiarmierung und eine kleinste Augenweite von höchstens 50 mm, für Kinder im Vorschulalter eher darunter.

Das wichtigste Maß: die Augenweite

Das Fernglas muss sich so weit zusammenklappen lassen, dass beide Okulare genau vor den Pupillen des Kindes sitzen. Dieser Abstand heißt Pupillendistanz oder Augenweite. Bei Erwachsenen liegt er im Mittel bei rund 63 mm, die große Mehrheit liegt zwischen 50 und 75 mm (Dodgson 2004). Kinder liegen deutlich darunter. Eine Studie mit 1.311 Kindern und Jugendlichen von MacLachlan und Howland (2002) liefert dafür eine Formel nach Alter. Wir haben sie für typische Jahrgänge ausgerechnet:

Mittlere Augenweite nach Alter (aus der Regressionsformel von MacLachlan & Howland 2002, eigene Rechnung)
AlterJungenMädchenPasst ein Glas ab 56 mm?
4 Jahreca. 49,5 mmca. 48,5 mmnein
6 Jahreca. 52,1 mmca. 51,2 mmnein
8 Jahreca. 54,5 mmca. 53,6 mmnein
10 Jahreca. 56,6 mmca. 55,5 mmknapp, bei der Hälfte der Kinder nicht
12 Jahreca. 58,4 mmca. 57,0 mmmeist ja
14 Jahreca. 60,0 mmca. 58,0 mmja

Das sind Mittelwerte. Einzelne Kinder liegen einige Millimeter darunter, Dodgson nennt als untere Grenze bei Kindern ab fünf Jahren etwa 40 mm. Für die Praxis heißt das: Ein Fernglas für ein Grundschulkind sollte sich auf 50 mm oder weniger schließen lassen. Viele Erwachsenengläser enden bei 54 bis 58 mm, selbst manche Kinderferngläser erst bei 52 mm.

Leica Ultravid 8x20 Zeiss Terra ED Pocket Kowa YF II Swarovski CL Curio Bresser Junior 6x21 Nikon Monarch M7 8x30 6 Jahre 10 Jahre Erwachsene 30 40 50 60 70 80 mm
Einstellbereich der Augenweite nach Herstellerangabe (Balken) und mittlere Augenweite (gestrichelt). Alles, was links von der Linie eines Kindes beginnt, lässt sich für dieses Kind eng genug schließen.

Welche Vergrößerung für welches Alter

Kinder halten ein Fernglas unruhiger als Erwachsene, und sie verlieren das Ziel schneller. Eine niedrige Vergrößerung mit großem Sehfeld ist deshalb wichtiger als viel Reichweite. Bei 10x springt das Bild in Kinderhänden so stark, dass viele Kinder nach kurzer Zeit die Lust verlieren.

Richtwerte nach Alter (Entscheidungshilfe)
AlterVergrößerungGewichtWorauf achten
3–5 Jahre3–4x (Spielzeugfernglas)unter 200 gSehr enge Augenweite, keine Einstellung nötig, unzerbrechlich
6–9 Jahre6x, höchstens 8xbis ca. 500 gEchtes Fernglas mit Mitteltrieb, kleinste Augenweite unter 50 mm
10–13 Jahre6–8xbis ca. 450 gTaschen- oder 30er-Glas, Dioptrienausgleich, wasserdicht
ab 14 Jahren8xwie ErwachseneErwachsenengläser passen meist, Augenweite trotzdem prüfen

Ein 6x30 hat übrigens eine Austrittspupille von 5 mm und damit ein großes, ruhiges Lichtbündel. Kinder müssen das Auge weniger genau positionieren als bei einem 8x21 mit 2,6 mm. Für Kinder ist dieser Komfort mehr wert als ein kleiner Gewichtsvorteil.

Spielzeug oder echtes Fernglas?

Für Kindergartenkinder sind Kinderferngläser mit 3- bis 4-facher Vergrößerung ohne Fokus völlig in Ordnung. Sie sind leicht, robust und lassen sich ohne Einstellen benutzen. Ein echtes Naturerlebnis, etwa einen Specht am Baum oder Rehe am Waldrand, bringen sie aber kaum, weil die Vergrößerung zu gering ist und die Optik einfach gehalten ist.

Ab dem Grundschulalter lohnt ein echtes Fernglas. Es muss nicht teuer sein, aber es sollte eine saubere Mitte zeigen und sich richtig einstellen lassen. Was Sie im unteren Preisbereich erwarten können, zeigt der Ratgeber Fernglas günstig und gut. Ein schlechtes Fernglas mit unscharfem, dunklem Bild verdirbt schnell die Freude, und Kinder geben dann eher dem Gerät als sich selbst die Schuld.

Robustheit, Schadstoffe und Sicherheit

  • Gummiarmierung schützt bei Stürzen aufs Pflaster. Wasserdichte Gläser überleben auch Bach und Regen.
  • Kurzer Riemen. Kinder lassen das Glas fallen. Ein Riemen, der um den Hals bleibt, ist Pflicht. Für kleine Kinder eignen sich Riemen mit Sollbruchstelle, damit nichts am Hals hängen bleibt.
  • Schadstoffe. Stiftung Warentest hat in Augenmuscheln, Gehäusen und Riemen mehrfach PAK und Weichmacher gefunden, in test 5/2022 bei 10 von 14 neu geprüften Modellen in so hoher Menge, dass sie mangelhaft abschnitten. Kinder haben das Glas oft lange in der Hand und am Gesicht. Kaufen Sie bei bekannten Herstellern und achten Sie auf Angaben zu schadstoffgeprüften Materialien.
  • Nie in die Sonne schauen. Ein Blick mit dem Fernglas in die Sonne kann das Auge in Sekunden dauerhaft schädigen. Erklären Sie das vor dem ersten Ausflug, und lassen Sie kleine Kinder nicht unbeaufsichtigt mit dem Glas in Richtung Sonne hantieren.

So stellen Sie das Fernglas für ein Kind ein

  1. Augenweite zuerst. Das Glas ganz zusammenklappen, das Kind schauen lassen und langsam öffnen, bis es einen einzigen runden Kreis sieht.
  2. Augenmuscheln herausdrehen. Ohne Brille müssen sie ganz ausgezogen sein, sonst sieht das Kind Schatten.
  3. Scharfstellen auf ein großes Ziel. Ein Haus oder Baum in 30 m, kein kleiner Vogel. Erst den linken Teil über das Mittelrad, dann rechts über den Dioptrienring.
  4. Markieren. Ein kleiner Farbpunkt an Gelenk und Dioptrienring spart beim nächsten Mal das Suchen.
  5. Üben mit großen Zielen. Erst Kirchturm, dann Baum, dann Vogel auf dem Baum. Wer sich das Ziel erst mit bloßem Auge anschaut und das Glas dann vor die Augen hebt, ohne den Blick zu senken, findet es schneller.

Die ausführliche Anleitung mit Dioptrienausgleich und Reinigung steht im Beitrag Fernglas richtig einstellen.

Kinderferngläser nach Alter und Preisklasse

Wir haben die Geräte nicht selbst getestet. Die technischen Werte stammen aus den Datenblättern der Hersteller, die Einschätzungen aus Besitzerberichten. Entscheidend für die Auswahl war die kleinste einstellbare Augenweite.

Bresser Junior 6x21

Einstieg · unter 50 €

Bresser Junior 6x21

Augenweite
52–66 mm
Gewicht
ca. 180–190 g
Altersangabe
ab 6 Jahren

Für wen: Grundschulkinder, die erst einmal ausprobieren sollen, ob Beobachten Spaß macht.

  • Sehr leicht, gummierter Körper
  • Niedrige Vergrößerung, leicht zu halten
  • Nicht wasserdicht
  • Augenweite beginnt erst bei 52 mm, für Vorschulkinder oft zu breit
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Omegon Curiosity 6x21

Einstieg

Omegon Curiosity 6x21

Sehfeld
120 m / 1.000 m
Augenweite
52–66 mm
Naheinstellung
5 m
Gewicht
174 g

Für wen: Jüngere Kinder ab etwa vier Jahren, laut Omegon.

  • Leichtestes Glas dieser Auswahl
  • Gummiarmierung
  • Nicht wasserdicht
  • 5 m Naheinstellung, Käfer und Blüten bleiben unscharf
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Kowa YF II 6x30

Echtes Naturglas

Kowa YF II 6x30

Sehfeld
140 m / 1.000 m
Augenweite
50–70 mm
Augenabstand
20 mm
Gewicht
470 g

Für wen: Kinder ab etwa sechs Jahren, die regelmäßig mit draußen sind, und Familien, die ein robustes Glas teilen wollen.

  • Porro-Bauweise mit dicker Gummiarmierung, wasserdicht und stickstoffgefüllt
  • 5 mm Austrittspupille und weites Sehfeld, das Bild ist leicht zu finden
  • 20 mm Augenabstand, auch mit Brille nutzbar
  • Mit 470 g für kleine Kinder spürbar schwer
  • 5 m Naheinstellung
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Zeiss Terra ED Pocket 8x25

Mittelklasse

Zeiss Terra ED Pocket 8x25

Sehfeld
119 m / 1.000 m
Augenweite
35–72 mm
Naheinstellung
1,9 m
Gewicht
310 g

Für wen: Schulkinder und als Familienglas für die Reise, das Kind und Eltern passt.

  • Schließt bis 35 mm, damit passt es praktisch jedem Kind
  • Wasserdicht, faltbar, passt in die Jackentasche
  • Kurze Naheinstellung für Insekten
  • 8x mit 3,1 mm Austrittspupille, das Auge muss genauer sitzen als beim 6x30
  • In der Dämmerung deutlich dunkler
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Swarovski CL Curio 7x21

Oberklasse

Swarovski CL Curio 7x21

Sehfeld
135 m / 1.000 m
Augenweite
50–74 mm
Naheinstellung
2,5 m
Gewicht
ca. 250 g

Für wen: Eltern, die ein sehr kleines Glas für sich kaufen und mit älteren Kindern teilen wollen.

  • Sehr klein und leicht, wasserdicht bis 4 m
  • Weites Sehfeld für ein Taschenglas
  • Für ein Kinderglas sehr teuer
  • 3 mm Austrittspupille, nur bei Tageslicht ideal
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Ein Glas für die ganze Familie?

Wenn Eltern und Kinder ein Glas teilen sollen, entscheidet die kleinste Augenweite. Viele Erwachsenengläser enden bei 56 bis 58 mm, das ist für Grundschulkinder zu weit. Kompakte 8x25 und viele 32er schließen enger. Prüfen Sie den Wert im Datenblatt, bevor Sie kaufen. Ein Monokular kennt keine Augenweite und kann deshalb zum Mitschauen dienen, wann sich das lohnt, steht im Vergleich Monokular oder Fernglas. Ein Familienglas bleibt immer ein Kompromiss, denn jedes Mal wird neu eingestellt. Sinnvoll ist es vor allem auf Reisen, wo ohnehin nur ein Glas mitkommt, siehe Fernglas zum Wandern und Reisen.

Für Kinder, die Tiere lieber in Ruhe beobachten wollen, ist eine Wildkamera im Garten eine schöne Ergänzung, siehe Wildkamera im Garten. Und wer mit Kindern Vögel bestimmen will, findet im Beitrag Fernglas für Vogelbeobachtung die Kriterien, auf die es dort ankommt.

Unsere Empfehlung: ein echtes 6x oder 8x mit enger Augenweite

Für Kinder ab etwa sechs Jahren ist ein echtes, gummiarmiertes Fernglas mit 6- bis 8-facher Vergrößerung und einer kleinsten Augenweite unter 50 mm die beste Wahl. Im Kindergartenalter reicht ein robustes Kinderfernglas mit 3- bis 4-fach. Teurer ist nicht automatisch besser, wichtiger sind die passende Augenweite und ein Hersteller, der Schadstoffe ernst nimmt. Die Kenngrößen im Detail erklärt der Ratgeber Fernglas kaufen.

Häufige Fragen

Ab welchem Alter kann ein Kind ein Fernglas benutzen?

Einfache Kinderferngläser mit 3- bis 4-facher Vergrößerung gehen ab etwa drei bis vier Jahren. Ein echtes Fernglas mit Scharfstellung ist meist ab sechs Jahren sinnvoll, wenn es sich eng genug zusammenklappen lässt.

Welche Vergrößerung ist für Kinder richtig?

6x bis 8x. Höhere Vergrößerungen zittern in Kinderhänden so stark, dass das Ziel ständig aus dem Bild springt.

Warum sieht mein Kind zwei Kreise im Fernglas?

Das Glas ist zu weit geöffnet oder lässt sich nicht eng genug schließen. Klappen Sie es ganz zusammen. Sieht das Kind dann noch zwei Kreise, ist die kleinste Augenweite des Modells zu groß.

Kann ein Kind ein Erwachsenenfernglas benutzen?

Ab etwa zwölf Jahren meist ja. Jüngere Kinder brauchen ein Modell, das sich auf 50 mm oder weniger schließen lässt, etwa viele Taschenferngläser.

Ist ein Fernglas für Kinder gefährlich?

Gefährlich ist vor allem der Blick in die Sonne, der das Auge dauerhaft schädigen kann. Außerdem fand Stiftung Warentest in einigen Ferngläsern Schadstoffe in Gummiteilen.

Peter

Peter Mathematiker & Drohnenpilot

Peter hat Mathematik studiert und ist als FPV- und Drohnenpilot viel draußen unterwegs. Er schreibt die Rechner dieser Seite selbst und prüft jede Formel nach. So entstehen unsere Ratgeber.

Quellen

  1. MacLachlan C, Howland HC (2002): Normal values and standard deviations for pupil diameter and interpupillary distance in subjects aged 1 month to 19 years. Ophthalmic Physiol Opt 22(3)
  2. Dodgson NA (2004): Variation and extrema of human interpupillary distance. Proc. SPIE 5291
  3. Stiftung Warentest: Fernglas-Test, Schadstoffe trüben die Aussicht (2022)
  4. Kowa: Technische Daten der Ferngläser (YF II)
  5. Zeiss: Terra ED Ferngläser, technische Daten
  6. Swarovski Optik: CL Curio 7x21
  7. Omegon: Curiosity 6x21
  8. Leica: Datenblatt Ultravid kompakt
  9. Bresser: Bresser Junior 6x21 Kinderfernglas

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