Feldoptik

Ferngläser · Grundwissen

Sehfeld beim Fernglas: Meter auf 1.000 m, Grad und scheinbares Sehfeld

Von Peter · Aktualisiert · 6 Min. Lesezeit

Nahaufnahme eines Fernglases mit der Aufschrift 8x30M und 150M/1000M
Gravur am Fernglas: Vergrößerung, Objektivdurchmesser und Sehfeld auf 1.000 m · Foto: Jacek Halicki, CC BY-SA 4.0 (Lizenz)

Das Sehfeld sagt, wie breit der Ausschnitt ist, den Sie ohne Schwenken überblicken: Ein Fernglas mit 130 m auf 1.000 m zeigt in einem Kilometer Entfernung einen 130 m breiten Streifen, das entspricht 7,4 Grad. Davon zu unterscheiden ist das scheinbare Sehfeld, also wie groß das Bild im Okular wirkt. Nach ISO 14132-1 rechnet man es mit dem Tangens, die verbreitete Faustformel „Vergrößerung mal Grad“ übertreibt um 4 bis 10 Grad.

Zwei Angaben für dasselbe Sehfeld

Hersteller nennen das echte (objektseitige) Sehfeld entweder als Breite in Metern auf 1.000 m Entfernung oder als Winkel in Grad. Beides beschreibt denselben Kegel, der vor dem Objektiv aufgeht. Die Umrechnung folgt aus einem rechtwinkligen Dreieck: halbe Breite gegen Entfernung. Welche weiteren Angaben auf Gehäuse und Datenblatt stehen, erklärt der Beitrag Fernglas-Zahlen.

2ω Entfernung 1.000 m b b = Sehfeld in m/1.000 m Fernglas tan ω = (b ÷ 2) ÷ 1.000
Das echte Sehfeld ist der Öffnungswinkel 2ω des Kegels vor dem Objektiv. Die halbe Breite b/2 und die Entfernung von 1.000 m bilden ein rechtwinkliges Dreieck.

Sehfeld in Grad: 2ω = 2 × arctan(b ÷ 2.000)

Sehfeld in Metern: b = 2.000 × tan(2ω ÷ 2)

Beispiel: 135 m → 2 × arctan(0,0675) = 2 × 3,86° = 7,72° · 7,0° → 2.000 × tan 3,5° = 122 m

Weil die Winkel beim echten Sehfeld klein sind, funktioniert hier auch die bequeme Näherung: Meter ≈ 17,45 × Grad. Der Fehler bleibt bis 8,5 Grad bei höchstens 0,3 m und damit weit unter den Rundungen der Datenblätter.

Umrechnung echtes Sehfeld: Grad und Meter auf 1.000 m
Gradexakt (m/1.000 m)Näherung 17,45 × Gradtypisch für
5,0°87,387,312x50, 15x56
6,0°104,8104,710x42 schmal
6,5°113,6113,410x42 weit
7,0°122,3122,28x42 schmal, 7x50
7,5°131,1130,98x42 mittel
8,0°139,9139,68x42 weit, 8x32
8,5°148,6148,38x32 weit

Die Spalte „typisch für“ ist eine grobe Orientierung aus gängigen Datenblättern, einzelne Modelle liegen darüber oder darunter.

Wie breit der Ausschnitt in Ihrer Entfernung ist

Die Breite wächst linear mit der Entfernung. Teilen Sie die Angabe für 1.000 m durch 10, erhalten Sie die Breite in 100 m, durch 20 die in 50 m. Ein 8x42 mit 135 m zeigt am Futterhaus in 20 m Entfernung einen 2,7 m breiten Ausschnitt, ein 10x42 mit 114 m nur 2,3 m.

Für das Gefühl beim Beobachten zählt eher die Fläche. Sie wächst mit dem Quadrat der Breite: (135 ÷ 114)² = 1,40. Das 8x42 zeigt in diesem Beispiel also 40 % mehr Fläche. Bei Singvögeln im Geäst oder Vögeln im Flug macht das den Unterschied zwischen „sofort gefunden“ und „wieder verloren“. Wie sich das im Alltag zwischen den beiden Standardformaten auswirkt, rechnen wir im Beitrag 8x42 oder 10x42 durch.

Das scheinbare Sehfeld: wie groß das Bild wirkt

Schauen Sie durch ein Fernglas, sehen Sie ein rundes Bildfeld, das einen bestimmten Winkel Ihres Blickfelds ausfüllt. Dieser Winkel ist das scheinbare (bildseitige) Sehfeld 2ω′. Ein Okular mit 50 Grad wirkt wie ein Blick durch ein Rohr, eines mit 65 Grad wie ein großes Fenster. Das echte und das scheinbare Sehfeld hängen über die Vergrößerung zusammen, aber nicht so einfach, wie es oft dargestellt wird.

Rechnung nach ISO 14132-1

tan ω′ = V × tan ω, also 2ω′ = 2 × arctan(V × tan ω)

Mit der Meterangabe wird es noch einfacher, weil tan ω = b ÷ 2.000: 2ω′ = 2 × arctan(V × b ÷ 2.000)

8x mit 7,0° (122 m): 2 × arctan(8 × 0,0612) = 52,0° (Nikon nennt für dieses Beispiel 52,1°)

Die alte Faustformel

2ω′ ≈ V × 2ω (Vergrößerung mal echtes Sehfeld in Grad)

8x mit 7,0°: 8 × 7,0 = 56,0°, also 4 Grad mehr als nach ISO

Die Multiplikation wäre nur bei sehr kleinen Winkeln richtig. Beim scheinbaren Sehfeld sind die Winkel aber groß, und der Tangens wächst dort schneller als der Winkel selbst. Je größer das Sehfeld, desto weiter liegen die beiden Methoden auseinander.

Scheinbares Sehfeld: ISO 14132-1 gegen alte Faustformel
Glasechtes SehfeldISO 14132-1alte FormelDifferenz
8x, 122 m6,98°52,0°55,9°3,8°
8x, 135 m7,72°56,7°61,8°5,1°
8x, 150 m8,58°61,9°68,6°6,7°
10x, 110 m6,30°57,6°63,0°5,3°
10x, 135 m7,72°68,0°77,2°9,2°
12x, 100 m5,72°61,9°68,7°6,8°

Ab wann ein Fernglas als Weitwinkel gilt

Nach ISO 14132 gilt laut Nikon ein scheinbares Sehfeld über 60 Grad als weitwinklig, nach der alten Rechenweise lag die Schwelle bei über 65 Grad. Den Normtext selbst konnten wir nicht einsehen, die Grenze stützt sich hier auf Nikons Angabe. Rechnet man beide Grenzen zurück auf das echte Sehfeld, kommt fast dasselbe heraus. Die Norm hat die Messlatte also nicht gesenkt, sondern nur ehrlicher beziffert.

Mindest-Sehfeld für „Weitwinkel“ nach Vergrößerung
VergrößerungISO: über 60° scheinbaralt: über 65° scheinbar
7x165 m/1.000 m162 m/1.000 m
8x144 m/1.000 m142 m/1.000 m
10x115 m/1.000 m114 m/1.000 m
12x96 m/1.000 m95 m/1.000 m

Sehfeld beim Spektiv

Bei Spektiven ist das echte Sehfeld wegen der hohen Vergrößerung klein, und es schrumpft beim Zoomen. Swarovski gibt für das ATX/STX 25-60x mit 65- oder 85-mm-Objektiv 41 bis 23 m auf 1.000 m an, also 2,37 bis 1,30 Grad, und ein scheinbares Sehfeld von 57 bis 71 Grad. Rechnet man aus Nennvergrößerung und Sehfeld nach ISO nach, landet man bei 54 bis 69 Grad. Die Differenz kann daher rühren, dass die tatsächliche Vergrößerung etwas von der gerundeten Nennvergrößerung abweicht; aus dem Datenblatt lässt sich das nicht klären. ZEISS bewirbt beim Victory Harpia ein über den ganzen Zoombereich konstantes scheinbares Sehfeld von 72 Grad und nennt für das Harpia 85 bei 22-facher Vergrößerung 63,2 m auf 1.000 m. Nach ISO-Rechnung entsprächen 72 Grad bei 22x eher 66 m, auch hier passen Werbeangabe und Rechnung also nicht ganz zusammen. Mehr dazu, warum das Sehfeld bei der Spektivwahl für Vögel zählt, lesen Sie im Ratgeber Spektiv für Vogelbeobachtung.

Worauf es beim Sehfeld in der Praxis ankommt

  • Randschärfe zählt mit. Ein großes Sehfeld nützt wenig, wenn das äußere Drittel unscharf ist. Gläser mit Bildfeldebnung halten den Rand schärfer, solche Angaben finden Sie im Datenblatt oft nur indirekt.
  • Brillenträger sehen oft weniger. Sitzt das Auge wegen der Brille weiter hinten, als die Austrittspupille liegt, schneidet der Okularrand das Bild ab. Ein Weitwinkelglas mit knappem Augenabstand kann für Sie dann schmaler wirken als ein normales Glas. Was hier zählt, steht im Beitrag Fernglas für Brillenträger.
  • Nur bei gleicher Vergrößerung vergleichen. Ein 10x mit 115 m und ein 8x mit 144 m sind beide Weitwinkelgläser, zeigen aber unterschiedlich viel Landschaft.
  • Einsatzzweck entscheidet. Für Vögel im Wald, Sport und Konzerte lohnt ein großes Sehfeld. Für Wasservögel auf großer Distanz ist mehr Vergrößerung meist wertvoller. Unsere Empfehlungen nach Einsatz finden Sie unter Fernglas für Vogelbeobachtung und im Fernglas-Kaufratgeber.

Häufige Fragen

Was ist ein gutes Sehfeld bei einem 8x42?

Gängig sind etwa 120 bis 150 m auf 1.000 m. Ab rund 144 m erreicht ein 8x-Glas nach ISO-Rechnung ein scheinbares Sehfeld von 60 Grad; darüber gilt es als Weitwinkel.

Wie rechne ich das Sehfeld in Grad um?

Teilen Sie die Meterangabe durch 2.000, nehmen Sie den Arkustangens und verdoppeln Sie das Ergebnis. 135 m ergeben so 7,72 Grad. Die Näherung 135 ÷ 17,45 = 7,74 Grad ist fast genauso gut.

Warum unterscheiden sich Angaben zum scheinbaren Sehfeld?

Manche Hersteller rechnen nach ISO 14132-1 mit dem Tangens, andere noch mit der alten Multiplikation von Vergrößerung und Sehfeld in Grad. Die alte Methode ergibt bei einem 8x-Glas mit 7 Grad 56 statt 52 Grad.

Ist ein großes Sehfeld wichtiger als die Vergrößerung?

Für bewegte Ziele wie Singvögel im Wald, Sport oder Greifvögel im Flug ist ein großes Sehfeld oft wichtiger. Für ruhig sitzende, weit entfernte Tiere zählt eher die Vergrößerung.

Wie breit ist das Sehfeld in 100 m Entfernung?

Teilen Sie die Angabe für 1.000 m durch 10. Ein Glas mit 130 m auf 1.000 m zeigt in 100 m Entfernung einen 13 m breiten Ausschnitt.

Peter

Peter Mathematiker & Drohnenpilot

Peter hat Mathematik studiert und ist als FPV- und Drohnenpilot viel draußen unterwegs. Er schreibt die Rechner dieser Seite selbst und prüft jede Formel nach. So entstehen unsere Ratgeber.

Quellen

  1. Nikon Sport Optics Guide: Field of view (ISO-Formel und Weitwinkel-Grenze)
  2. Swarovski Optik: ATX-Spektivsystem, technische Daten
  3. ZEISS: Spektive Victory Harpia und Conquest Gavia, technische Daten
  4. Astroshop: ZEISS Victory Harpia 22-65x85 (Produktdaten, 72° konstantes scheinbares Sehfeld)
  5. Nikon Sport Optics Guide: Eye relief

Weiterlesen