Feldoptik

Spektive · Ratgeber

Digiskopie: mit Smartphone oder Kamera durchs Spektiv fotografieren

Von Peter · Aktualisiert · 9 Min. Lesezeit

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Spektiv auf Stativ mit angesetzter Kamera für Digiskopie
Kamera am Spektiv · Foto: Alpsdake, CC BY-SA 3.0 (Lizenz)

Digiskopie heißt, eine Kamera direkt hinter das Okular eines Spektivs zu setzen und das vergrößerte Bild zu fotografieren. Am einfachsten gelingt das mit dem Smartphone und einem passenden Adapter: Eine Handykamera mit 24 mm Kleinbild-Brennweite wird hinter einem 30-fach-Okular zu einem 720-mm-Teleobjektiv. Scharfe Bilder entstehen meist zwischen 20- und 35-fach, mit festem Adapter, ruhigem Stativ und einem Auslöser, den Sie nicht antippen müssen.

Drei Wege, durchs Spektiv zu fotografieren

Methoden der Digiskopie im Vergleich
MethodeSo funktioniert esStärkenSchwächen
Smartphone am OkularHandy mit Adapter vor das Okular, Handykamera fokussiert auf das Bild im Okulargünstig, leicht, sofort teilbar, Video einfachkleiner Sensor, Ausrichtung je nach Adapter fummelig
Kompaktkamera am Okularwie beim Handy, Kamera mit kleinem Objektivdurchmesseroptischer Zoom, Sucher bei manchen ModellenKameras mit passendem Objektiv werden selten
Systemkamera mit FotoadapterOkular wird durch ein Fotoadapter-Objektiv ersetzt, Kamera per T2-Ring angeschlossengroßer Sensor, beste Bildqualität, Wechselobjektiv-Workflowteuer, schwer, Adapter oft an Sensorgröße gebunden

Dieser Ratgeber konzentriert sich auf das Smartphone, weil es für die meisten Vogelbeobachter der Einstieg ist und keine zusätzliche Kamera erfordert. Wenn Sie erst noch das passende Spektiv suchen, beginnen Sie mit unserem Ratgeber Spektiv für Vogelbeobachtung. Auch am Schießstand ist das Smartphone am Okular verbreitet, um Treffer auf der Scheibe zu prüfen; welche Vergrößerung dort nötig ist, steht im Beitrag Spektiv für Sportschützen.

Wie Digiskopie optisch funktioniert

Das Spektiv bündelt das Licht in der Austrittspupille hinter dem Okular. Dort, wo sonst Ihr Auge sitzt, platzieren Sie die Kameralinse. Die Kamera stellt auf unendlich scharf, so wie ein entspanntes Auge, und fotografiert das Bild, das das Okular liefert. Fachleute nennen das afokale Fotografie.

Spektiv (Objektiv links) Okular Smartphone Austrittspupille = Ort der Handylinse Adapter hält die Linse zentriert und im richtigen Abstand
Schematischer Aufbau. Die Kameralinse muss genau in der Austrittspupille und auf der optischen Achse sitzen, sonst entstehen schwarze Ränder oder einseitig abgeschattete Bilder.

Äquivalente Brennweite berechnen

Damit Sie Ihre Digiskopie-Bilder mit Fotos aus Teleobjektiven vergleichen können, rechnet man die Brennweite auf das Kleinbildformat um.

Äquivalente Brennweite = Kleinbild-Brennweite der Kamera × Okularvergrößerung

Handy-Hauptkamera 24 mm, Spektiv auf 25x: 24 × 25 = 600 mm

Dieselbe Kamera bei 60x: 24 × 60 = 1.440 mm · mit 2-fach Digitalzoom bei 30x: 48 × 30 = 1.440 mm

Äquivalente Brennweite bei verschiedenen Kamera- und Okulareinstellungen
Kamera (Kleinbild-äquivalent)20x30x40x60x
Handy-Hauptkamera 24 mm480 mm720 mm960 mm1.440 mm
Hauptkamera mit 2x Ausschnitt (48 mm)960 mm1.440 mm1.920 mm2.880 mm
Handy-Tele 77 mm (3x)1.540 mm2.310 mm3.080 mm4.620 mm

Die Zahlen beeindrucken, sagen aber wenig über die Detailauflösung. Die Grenze setzt meist das Spektiv: Ein 85-mm-Objektiv löst nach der Dawes-Faustregel (116 ÷ Durchmesser in mm) etwa 1,4 Bogensekunden auf, ein 65-mm-Objektiv 1,8. Mehr Brennweite macht feine Details nur größer, nicht schärfer. Ab einem gewissen Punkt vergrößern Sie bloß Unschärfe und Luftflimmern.

Wie groß der Vogel im Bild wird

Ob sich ein Motiv lohnt, können Sie vorher ausrechnen. Maßgeblich ist das echte Sehfeld des Spektivs bei der gewählten Vergrößerung, denn die Kamera sieht im besten Fall genau den Ausschnitt, den auch Ihr Auge im Okular sieht.

Bildbreite am Motiv = Sehfeld (m/1.000 m) × Entfernung (m) ÷ 1.000

Spektiv mit 41 m auf 1.000 m bei 25x, Eisvogel in 30 m: 41 × 30 ÷ 1.000 = 1,23 m Bildbreite

Ein 16 cm langer Vogel füllt damit etwa 13 % der Bildbreite. In 50 m sind es nur noch knapp 8 %.

Für ein formatfüllendes Porträt brauchen Sie also entweder mehr Nähe, mehr Vergrößerung oder einen späteren Bildausschnitt. Weil hohe Vergrößerungen Licht und Schärfe kosten, ist in der Regel der Ausschnitt am Rechner die bessere Wahl: Ein heutiges Handyfoto hat genug Pixel, um aus 13 % Bildbreite noch ein ansehnliches Porträt für den Bildschirm zu schneiden. Wie Sie Sehfeldangaben für andere Vergrößerungen umrechnen, erklärt unser Beitrag zum Sehfeld.

Welches Spektiv sich für Digiskopie eignet

  • Großes Objektiv. 80 bis 88 mm bringen bei gleicher Vergrößerung deutlich mehr Licht als 65 mm und damit kürzere Belichtungszeiten.
  • ED- oder Fluoritglas. Die Kamera zeigt Farbsäume gnadenloser als das Auge, weil Sie das Foto später vergrößert ansehen.
  • Kurze Naheinstellgrenze. Libellen, Frösche oder Vögel am Futterplatz in 3 bis 5 m werden mit Digiskopie zu sehr dankbaren Motiven.
  • Adapterangebot prüfen. Für die großen Hersteller gibt es passende Okularringe und eigene Adapter, für Nischenmarken manchmal nur Universallösungen.
  • Einblick. Nikon nennt für den geraden Einblick den Vorteil, dass sich das Motiv über das Display leichter einrahmen lässt. Wer vor allem fotografiert, sollte das in die Wahl einbeziehen.

Licht und Belichtungszeit: warum weniger Zoom mehr bringt

Mit steigender Vergrößerung wird die Austrittspupille kleiner, und damit das Lichtbündel, das in die Kamera fällt. Die Helligkeit sinkt mit dem Quadrat.

Lichtverlust beim Hochzoomen = (V_hoch ÷ V_niedrig)²

85-mm-Spektiv von 25x (Austrittspupille 3,4 mm) auf 60x (1,4 mm): (60 ÷ 25)² = 5,8 → rund 2,5 Blendenstufen

Aus 1/250 s bei 25x werden bei 60x etwa 1/45 s, oder das Handy erhöht stattdessen die ISO und das Bild rauscht.

Dazu kommt die Erschütterung. Bei 1.440 mm äquivalenter Brennweite genügt ein Windstoß gegen das Stativ, um ein Foto bei 1/45 s zu verwischen. Deshalb gilt in der Digiskopie fast immer: lieber bei 25- bis 30-fach fotografieren und das Bild später beschneiden, als bei 60-fach ein verwackeltes Foto mit vollem Bildausschnitt zu haben. Ein großes Objektiv hilft hier mehr als ein großer Zoombereich; wie stark die Austrittspupille die Helligkeit bestimmt, erklären wir auch im Beitrag zur Dämmerungszahl und geometrischen Lichtstärke.

Smartphone-Adapter im Überblick

Der Adapter entscheidet, wie schnell Sie vom Beobachten zum Fotografieren kommen. Grob gibt es drei Bauarten.

Adapter-Typen für Smartphone-Digiskopie
TypBeispielePasst aufHinweise
HerstelleradapterSwarovski VPA 2 mit Klemmadapter CA-Smit CA-S laut Swarovski ATX/STX, AT/ST Balance, AT Endura, ATC/STC, ATS/STS und STR; mit anderen Klemmadaptern (CA-B, CA-Bs) BTX und einige Swarovski-FerngläserKlemmadapter separat; für iOS und Android
Universaladapter mit OkularringSmartoscope Vario II für Kowa, Swarovski ATX/STX, ZEISS GaviaOkularringe für Kowa, Swarovski, ZEISS, Leica sowie UniversalringOkularring passend zum Spektiv nötig
Universal-KlemmadapterDDoptics Smartphone-Adaptermit separat erhältlichen Adapterringen für verschiedene OkulardurchmesserRing passend zum Okulardurchmesser nötig
Handyhülle mit OkularanschlussPhoneskope, Kowa TSN-IP-Adapter für einzelne iPhone-Modellegerätespezifisch für Handymodell und Okularsehr schnell angesetzt; bei jedem Handywechsel neue Hülle

Wichtig beim Kauf: Prüfen Sie den Außendurchmesser Ihres Okulars und ob die Augenmuschel herausgedreht oder eingedreht sein muss. Und testen Sie, ob Ihr Handy mit Hülle in den Halter passt. Bei Smartphones mit drei oder vier Kameralinsen muss der Halter weit genug verstellbar sein, damit sich genau die gewünschte Linse über dem Okular zentrieren lässt.

Schritt für Schritt zum ersten scharfen Foto

  1. Spektiv aufbauen und ausrichten. Stativ fest aufstellen, Mittelsäule möglichst eingefahren. Das Motiv bei kleinster Vergrößerung suchen und mit dem Auge scharfstellen.
  2. Adapter ansetzen. Den Adapter auf das Okular schieben oder klemmen, das Handy einsetzen und die Hauptkamera grob über die Okularmitte schieben.
  3. Zentrieren. Kamera-App öffnen. Sie sehen einen hellen Kreis im schwarzen Umfeld. Verschieben Sie das Handy, bis der Kreis genau in der Bildmitte sitzt und überall gleich hell ist. Dann festziehen.
  4. Digital zoomen. Den Handyzoom so weit erhöhen, bis der schwarze Rand verschwindet, meist 1,5- bis 2-fach.
  5. Am Spektiv scharfstellen. Nicht auf den Handy-Autofokus verlassen, sondern am Fokusrad des Spektivs drehen und das Display beobachten. Tippen Sie zusätzlich auf das Motiv, damit das Handy Belichtung und Fokus dort festhält.
  6. Berührungslos auslösen. Selbstauslöser mit 2 bis 3 Sekunden, einen Bluetooth-Fernauslöser oder die Lautstärketaste eines Kabelkopfhörers nutzen. Serienbilder erhöhen die Chance auf ein scharfes Bild in einer Flimmerpause.
  7. Vergrößerung erst zum Schluss erhöhen. Ist das Foto bei 25x scharf, probieren Sie 35 oder 40x. Wird das Bild dunkler und weicher, gehen Sie zurück.

Mit Systemkamera: Fotoadapter statt Okular

Wer eine spiegellose Systemkamera nutzt, kann das Okular durch einen Fotoadapter ersetzen. Swarovski bietet dafür das TLS APO in drei Versionen an: 23 mm für spiegellose Systemkameras, 30 mm für APS-C-Spiegelreflexkameras und 43 mm für Vollformat. Angeschlossen wird die Kamera über einen T2-Ring für das jeweilige Bajonett. Swarovski nennt für das STX-System mit TLS APO Brennweiten von 750 bis 1.800 mm an den Objektivmodulen 65 und 85 mm und von 900 bis 2.100 mm an 95 und 115 mm. Kowa hat mit dem TSN-PA7A einen eigenen Kameraadapter für Digiskopie im Programm, und manche Einsteigerspektive wie das Celestron Regal M2 liegen mit einem T-Adapter-Ring bei.

Der Vorteil liegt im großen Sensor und im besseren Rauschverhalten. Der Nachteil: Das Gesamtpaket aus Spektiv, Adapter, Kamera und Stativ wiegt schnell 4 kg und mehr, und die Lichtstärke ist mit einer Blende von grob f/8 bis f/28 deutlich geringer als bei einem Teleobjektiv. Die Blendenzahl ergibt sich aus Brennweite durch Objektivdurchmesser, etwa 1.800 mm ÷ 85 mm ≈ f/21.

Video durchs Spektiv

Für Video ist das Smartphone der einfachste Weg, weil Aufnahme, Schnitt und Teilen in einem Gerät stattfinden. Nehmen Sie bei 20- bis 30-fach auf, stellen Sie Fokus und Belichtung fest, bevor Sie starten, und schwenken Sie mit dem Videoneiger langsam. Zum Mitschwenken mit fliegenden Vögeln ist das Sehfeld fast immer zu klein; wie klein es bei hoher Vergrößerung wird, können Sie mit den Formeln aus dem Beitrag Sehfeld richtig lesen nachrechnen.

Typische Fehler und wie Sie sie vermeiden

  • Schwarzer Rand oder Halbmond: Kamera nicht zentriert oder zu weit vom Okular. Augenmuschel ein- oder ausdrehen und neu zentrieren.
  • Heller Fleck oder Schleier in der Mitte: Streulicht zwischen Handy und Okular. Abschirmen hilft, etwa mit der Hand oder einer eingedrehten Gummi-Augenmuschel.
  • Alles leicht unscharf: Handy-Autofokus hat auf den Okularrand scharfgestellt. Auf das Motiv tippen und am Spektiv nachfokussieren.
  • Farbsäume an hellen Kanten: Bei Spektiven ohne ED- oder Fluoritglas verstärkt die Digiskopie Farbfehler. Geringere Vergrößerung mildert das.
  • Verwackelte Serien: Mittelsäule ausgefahren, Stativ zu leicht oder Auslöser angetippt. Berührungslos auslösen, Stativbeine statt Mittelsäule ausziehen.

Unsere Empfehlung für den Einstieg

Für den Anfang reicht das Spektiv, das Sie haben, plus ein Universaladapter mit dem passenden Okularring und ein Bluetooth-Auslöser. Fotografieren Sie bei 20- bis 35-fach, beschneiden Sie lieber hinterher. Wenn Sie merken, dass Sie die Digiskopie regelmäßig nutzen, lohnt der Umstieg auf einen Herstelleradapter, der schneller sitzt. Ein größeres Objektiv von 80 bis 88 mm bringt dann mehr als mehr Zoom. Passende Geräte vergleichen wir im Ratgeber Spektiv für Vogelbeobachtung; welches Fernglas Sie für die Suche nach dem Motiv dabeihaben sollten, steht unter Fernglas für Vogelbeobachtung.

Häufige Fragen

Welcher Smartphone-Adapter passt auf mein Spektiv?

Herstelleradapter wie der Swarovski VPA 2 passen über Klemmadapter auf die eigenen Geräte. Universaladapter wie der Smartoscope Vario II nutzen austauschbare Okularringe für Kowa, Swarovski, ZEISS, Leica und einen Universalring für andere Marken.

Welche Handykamera nutze ich für Digiskopie?

Meist die Hauptkamera mit leichtem Digitalzoom, bis der schwarze Rand verschwindet. Teleobjektive des Handys vergrößern zusätzlich, liefern durch das Spektiv aber oft dunklere und schwerer auszurichtende Bilder.

Welche Brennweite erreiche ich mit Digiskopie?

Multiplizieren Sie die Kleinbild-äquivalente Brennweite Ihrer Kamera mit der Okularvergrößerung. Eine 24-mm-Handykamera hinter einem 25-fach-Okular ergibt 600 mm, bei 60-fach 1.440 mm.

Warum werden meine Digiskopie-Fotos unscharf?

Die häufigsten Ursachen sind Erschütterung beim Antippen des Auslösers, Luftflimmern bei hoher Vergrößerung und eine nicht genau zentrierte Kamera. Selbstauslöser oder Bluetooth-Fernauslöser und niedrigere Zoomstufen helfen am meisten.

Geht Digiskopie auch mit dem Fernglas?

Ja, es gibt Adapter für Ferngläser, etwa den Swarovski VPA 2 mit Klemmadaptern für einige Swarovski-Ferngläser. Wegen der geringen Vergrößerung ist der Effekt aber deutlich kleiner als am Spektiv.

Peter

Peter Mathematiker & Drohnenpilot

Peter hat Mathematik studiert und ist als FPV- und Drohnenpilot viel draußen unterwegs. Er schreibt die Rechner dieser Seite selbst und prüft jede Formel nach. So entstehen unsere Ratgeber.

Quellen

  1. Swarovski Optik: VPA 2 Variable Phone Adapter (Kompatibilität)
  2. Astroshop: SMARTOSCOPE Smartphone-Adapter Vario II (Produktbeschreibung)
  3. Astroshop: DDoptics Smartphone-Adapter Universal
  4. Swarovski Optik: TLS APO für ATX/STX
  5. Kowa PROMINAR: Spezifikationen inkl. Fotoadapter TSN-PA7A
  6. Swarovski Optik: STX-Spektivsystem, technische Daten (Brennweiten mit TLS APO)
  7. Celestron: Regal M2 20-60x80mm ED (T-Adapter im Lieferumfang)
  8. Nikon Sport Optics Guide: Fieldscopes – straight or angled
  9. Nikon Sport Optics Guide: Fieldscope magnification

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