Wärmebild · Ratgeber
Rehkitzrettung mit Wärmebild: Ablauf, Zeitfenster, Handgerät oder Drohne

Rehkitze finden Sie vor der Mahd am zuverlässigsten mit einer Wärmebilddrohne, die am Morgen der Mahd vor Sonnenaufgang in etwa 50 bis 60 m Höhe über die Wiese fliegt. In dieser Höhe zeigt ein 640er-Wärmebildsensor das Kitz als deutlichen warmen Fleck, und ein Hektar ist in wenigen Minuten abgesucht. Ein Wärmebild-Handgerät hilft auf kleinen Flächen und bei der Nachsuche, ersetzt die Draufsicht aber nicht, weil hohes Gras das Kitz von der Seite verdeckt.
Warum Kitze bei der Mahd sterben
Rehe setzen ihre Kitze meist im Mai, nach der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald meist zwei. In den ersten Lebenswochen verlassen sich die Jungtiere auf Tarnung: Sie haben kaum Eigengeruch, tragen ein geflecktes Fell und drücken sich bei Gefahr reglos ins Gras. Gegen Fuchs und Greifvogel ist das eine gute Strategie, gegen ein Mähwerk nicht. Die Ricke kommt in dieser Zeit nur zum Säugen zur Ablage.
Die erste Mahd der Wiesen fällt genau in diese Wochen, meist zwischen Mitte Mai und Ende Juni. Kitze, die in diesen Wochen noch nicht vor herannahenden Maschinen flüchten, werden vom Mähwerk verstümmelt oder getötet. Landwirte und Jäger haben deshalb ein gemeinsames Interesse daran, die Flächen vor der Mahd abzusuchen.
Das richtige Zeitfenster
Wärmebild lebt vom Temperaturunterschied zwischen Kitz und Umgebung. Morgens nach einer kühlen Nacht ist das Gras noch kalt, das Kitz hebt sich klar ab. Sobald die Sonne auf die Wiese scheint, erwärmen sich Halme, Maulwurfshügel und Steine, und das Bild füllt sich mit hellen Flecken, die alle wie ein Kitz aussehen können.
- Tag: der Morgen der Mahd. Die Fläche muss unmittelbar nach der Suche gemäht werden, sonst kehrt die Ricke zurück und legt ihr Kitz erneut ab.
- Uhrzeit: vor Sonnenaufgang bis kurz danach. Im Juni heißt das in Deutschland meist zwischen etwa 4 und 7 Uhr.
- Temperatur: Praktiker des Bundesverbands Copter Piloten nennen Außentemperaturen idealerweise unter 10 °C.
- Sonne: keine direkte Einstrahlung. Flächen, die früh Sonne bekommen, zuerst absuchen.
- Vorlauf: Drohnenteam möglichst 48 Stunden vor der Mahd anfragen, damit sich mehrere Flächen koordinieren lassen.
So läuft eine Kitzsuche ab
- Absprache. Der Landwirt meldet die Mähflächen und den Termin beim Jagdausübungsberechtigten und beim Drohnenteam. Gesucht wird nur mit Erlaubnis des Jagdausübungsberechtigten, denn Rehwild unterliegt dem Jagdrecht. Am besten ist der Revierinhaber vor Ort.
- Vorbereitung. Flächen auf Karte oder im Flugplanungsprogramm abgrenzen, Hindernisse wie Stromleitungen markieren, zentralen und möglichst erhöhten Startplatz festlegen. Für Flächen mit Leitungen braucht es genug Licht.
- Suchflug. Die Drohne fliegt die Fläche in parallelen Bahnen ab, auf kleinen Wiesen bis etwa 1,5 ha reicht nach Erfahrung des BVCP oft ein manueller Überflug, größere Flächen werden als programmierte Mission geflogen.
- Einweisen der Helfer. Bei einem Fund bleibt die Drohne über der Stelle stehen, die Helfer werden per Funk oder Telefon herangeführt.
- Sichern. Das Kitz wird mit Handschuhen und einem Büschel Gras angehoben, damit kein Menschengeruch haftet, und in einem luftigen Wäschekorb oder Karton am Feldrand im Schatten gesichert. Die Behälter stellen Landwirt oder Revier, nicht das Drohnenteam.
- Kontrollflug und Mahd. Nach einem kurzen Kontrollflug wird sofort gemäht. Die Kitze dürfen nur kurze Zeit fixiert bleiben und werden direkt nach der Mahd am Feldrand freigelassen.
Für ein Team rechnet man mit einem erfahrenen Piloten und drei bis vier Helfern. Die Checkliste eines westfälischen Hegerings fordert vom Revier mindestens zwei Personen zur Sicherung der Kitze.
Flughöhe und Bodenauflösung: die Rechnung
Wie hoch die Drohne fliegen darf, ohne das Kitz zu übersehen, lässt sich mit derselben Geometrie ausrechnen, die wir im Artikel zur Wärmebild-Reichweite für Handgeräte verwenden. Statt der Entfernung zum Ziel steht hier die Flughöhe.
Bodenauflösung (GSD) = Flughöhe × Pixelabstand ÷ Brennweite
DJI Mavic 3T: 12 µm Pixelabstand, reale Brennweite rund 8,4 mm (aus 61° Diagonalwinkel umgerechnet)
In 55 m Höhe: 55 m × 0,012 ÷ 8,4 = rund 7,9 cm pro Pixel, Bildstreifen etwa 50 m breit
Das passt gut zur Praxis. Der BVCP nennt in einem Vortrag vom März 2026 unter Berufung auf Forschungsarbeiten eine optimale Bodenauflösung von etwa 7 cm, die Drohnen wie die DJI Mavic 3T oder M30T in rund 55 m Höhe erreichen. Ein zusammengerolltes Kitz von grob 30 cm Länge (unsere Schätzung) belegt dann etwa vier Pixel in der Länge. Das reicht nach den Johnson-Kriterien, um einen warmen Fleck sicher zu entdecken. Ob es ein Kitz, ein Junghase oder ein sonnenwarmer Stein ist, klären der Digitalzoom, die Tageslichtkamera oder die Helfer am Boden.
Handgerät oder Drohne?
Am Auflösungsvermögen scheitert das Handgerät nicht. Ein Einsteigergerät wie das HIKMICRO Lynx LE10 3.0 (12 µm, 9,7 mm) löst auf 20 m Entfernung rund 2,5 cm pro Pixel auf, ein Kitz läge also mit zwölf Pixeln im Bild. Das Problem ist der flache Blickwinkel: Wer am Wiesenrand steht, schaut seitlich in 40 bis 80 cm hohes Gras, und schon nach wenigen Metern verdecken die Halme das Kitz vollständig. Wärmebild sieht nicht durch dichte Vegetation.
| Kriterium | Wärmebild-Handgerät | Wärmebilddrohne |
|---|---|---|
| Blickwinkel | seitlich, Gras verdeckt nach wenigen Metern | senkrecht von oben, Kitz frei sichtbar |
| Wirksame Suchbreite | wenige Meter je Laufbahn (Erfahrungswert, stark vom Bewuchs abhängig) | rund 50 m bei 55 m Flughöhe |
| Zeitbedarf pro Hektar | lange, die Wiese muss in engen Bahnen abgelaufen werden | wenige Minuten Flugzeit |
| Störung | Begehen der Wiese, Trittspuren im Futter | gering bei ausreichender Höhe |
| Anschaffung | ab etwa 480 € (Einsteiger-Monokular, Stand Oktober 2026) | laut topagrar (2024) rund 6.000–8.000 € für eine Drohne mit guten Flugeigenschaften und Wärmebildkamera |
| Voraussetzungen | keine | Registrierung, Kompetenznachweis, Versicherung, Kenntnis der Geozonen |
| Sinnvoll für | kleine Wiesen, Wiesenränder, Nachsuche nach dem Drohnenflug | alle größeren Flächen |
Unser Rat: Wer als Privatperson helfen will, schließt sich einem bestehenden Kitzrettungsverein oder der örtlichen Kreisjägerschaft an. Laut topagrar (2024) lohnt sich eine eigene Drohne für einen landwirtschaftlichen Betrieb erst ab etwa 50 ha Grünland im Jahr. Ein eigenes Wärmebild-Handgerät ist für Helfer trotzdem nützlich, um am Boden die gemeldete Stelle schneller zu finden. Welche Geräte sich dafür eignen, steht in unserer Kaufberatung Wärmebildkamera zur Tierbeobachtung.
Welche Drohnen in der Kitzrettung verbreitet sind
Als Meilenstein der Drohnen-Kitzrettung bezeichnet der BVCP die DJI Mavic 2 Enterprise Advanced; in der Praxis folgten ihr Modelle wie die Mavic 3T und die M30T. Inzwischen bietet DJI mit der Matrice-4-Serie eine neuere Generation an. Die folgenden Werte stammen aus den DJI-Datenblättern:
| Kenngröße | DJI Mavic 3T | DJI Matrice 4T |
|---|---|---|
| Gewicht | 920 g (ohne Zubehör), max. Startmasse 1.050 g | 1.219 g (Standard), max. Startmasse 1.420 g |
| Flugzeit laut Hersteller | 45 min | 49 min |
| Wärmebildsensor | 640 × 512, 12 µm, VOx ungekühlt | 640 × 512, 12 µm |
| NETD | ≤ 50 mK bei F1,0 | ≤ 50 mK bei F1,0 |
| Brennweite Wärmebild (Kleinbild-äquivalent) | 40 mm, Diagonalwinkel 61° | 53 mm |
| Bildrate Wärmebild | 30 Hz | 30 fps |
| EU-Klassenkennzeichnung | C2 | im Datenblatt nicht angegeben |
Die NETD von 50 mK liegt deutlich über den Werten aktueller Handgeräte. Für die Kitzsuche ist das unkritisch, weil am kühlen Morgen der Temperaturunterschied zwischen Kitz und Gras groß ist. Wichtiger sind eine ausreichende Flugzeit, eine zuverlässige Rückkehrfunktion und eine Kamera, mit der sich Funde bei Tageslicht gegenprüfen lassen.
Drohnenrecht in Kürze
Drohnen fliegen in der EU nach der Durchführungsverordnung (EU) 2019/947. Für die Kitzrettung ist praktisch immer die „offene“ Kategorie relevant. Die wichtigsten Punkte:
- Registrierung: Betreiber müssen sich registrieren, sobald die Drohne 250 g oder mehr wiegt oder eine Kamera trägt; ausgenommen sind nur Spielzeugdrohnen.
- Höhe: maximal 120 m über Grund, für die Kitzsuche mehr als genug.
- Unterkategorien: In A2 dürfen Drohnen der Klasse C2 bis auf 30 m an unbeteiligte Personen heran (5 m im Langsamflugmodus), dafür ist das Fernpiloten-Zeugnis A2 nötig. In A3 gilt ein horizontaler Abstand von 150 m zu Unbeteiligten und zu Wohn-, Gewerbe-, Industrie- und Erholungsgebieten.
- Ausnahme für Wildtierrettung: Seit dem 20.11.2024 gilt nach Angaben der BLE eine Allgemeinverfügung des Bundesverkehrsministeriums vom 01.10.2024. Über land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen dürfen Drohnen mit 250 g bis 25 kg Startmasse, die zu Tierschutz- und Wildtierrettungszwecken und nicht zu Sport- oder Freizeitzwecken fliegen, in A3 vom Mindestabstand von 150 m zu Wohn-, Gewerbe-, Industrie- oder Erholungsgebieten abweichen. Der seitliche Abstand zu diesen Gebieten soll dann stets größer als 10 m und größer als die Flughöhe sein. Damit ist die Kitzrettung auch in der Nähe von Häusern ohne Einzelgenehmigung möglich, auch mit älteren Drohnen ohne C-Klassifizierung, die nur in A3 fliegen dürfen.
- Geozonen: Naturschutzgebiete, Flugplatzumgebungen und andere Gebiete haben eigene Regeln. Prüfen Sie jede Fläche vorab in der Karte der Digitalen Plattform Unbemannte Luftfahrt (dipul).
- Versicherung: Der Halter muss nach § 43 Abs. 2 Luftverkehrsgesetz eine Haftpflichtversicherung unterhalten.
Förderung: das Bundesprogramm 2026
Das Bundeslandwirtschaftsministerium fördert über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) seit mehreren Jahren die Anschaffung von Drohnen mit Wärmebildkamera für die Kitzrettung. Für 2026 galten nach Angaben der BLE diese Bedingungen:
| Punkt | Regel 2026 |
|---|---|
| Fördervolumen | 2,1 Mio. € |
| Förderhöhe | Festbetrag von maximal 3.000 € pro Drohne |
| Antragsberechtigt | eingetragene Vereine, z. B. Kreisjagdvereine, Jägervereinigungen und regionale Vereine, zu deren Aufgaben die Rettung von Wildtieren bei der Wiesenmahd gehört |
| Nicht antragsberechtigt | Privatpersonen, Einzelunternehmen, Jagdgenossenschaften, Vereine in Gründung |
| Anforderungen an die Drohne | neu und flugfertig, Echtbild- plus Wärmebildkamera, mindestens 20 Minuten Flugzeit, Rückkehrfunktion, C-Klassenkennzeichnung nach (EU) 2019/947 und (EU) 2020/746 |
| Antragsfrist | 30.06.2026 (abgelaufen) |
| Verwendungsnachweis | bis 30.09.2026, Auszahlung bis 31.12.2026 |
| Wichtig | Kauf erst nach Erhalt des Zuwendungsbescheids |
Ob und mit welchen Bedingungen das Programm 2027 fortgesetzt wird, war bei Redaktionsschluss nicht bekannt. Die Antragsphase 2026 öffnete die BLE am 12. März. Ob Ihr Bundesland zusätzlich fördert, erfahren Sie beim Landesjagdverband.
Was ohne Drohne hilft
Nicht jede Fläche lässt sich rechtzeitig befliegen. Ergänzend nennen Praktiker diese Maßnahmen:
- Vergrämen am Vortag: Die Fläche am Abend vor der Mahd anmähen oder mit Flatterbändern und Tüten an Stangen verblenden, damit die Ricke ihr Kitz woanders ablegt. Die Wirkung hält nur kurz.
- Absuchen mit Hund und Helferkette: aufwendig, aber auf kleinen Flächen bewährt.
- Von innen nach außen mähen: eine verbreitete Empfehlung, die Tieren, die flüchten können, einen Ausweg zum Feldrand lässt.
Wo Sie mitmachen können
Kitzrettung lebt vom Ehrenamt. Ansprechpartner sind die Kreisjägerschaften und Hegeringe, die Landesjagdverbände und zahlreiche örtliche Kitzrettungsvereine, die sich meist als eingetragener Verein organisieren, auch um Fördermittel beantragen zu können. Der Bundesverband Copter Piloten (BVCP) bündelt Erfahrungen der Drohnenpiloten. Helfer ohne Drohne werden fast überall gebraucht: für das Sichern der Kitze am frühen Morgen, an Wochenenden und Feiertagen mitten in der Mahdsaison.
Wer sich für die Technik hinter dem Wärmebild interessiert, findet im Artikel über Sensorauflösung, Pixelabstand und NETD die Grundlagen. Ob Sie für den Rest des Jahres eher mit Wärmebild oder mit digitalem Nachtsicht beobachten, hängt vor allem von Ihrer typischen Entfernung ab.
Häufige Fragen
Wann ist die beste Zeit für die Rehkitzsuche mit Drohne?
Am Morgen der Mahd, möglichst vor Sonnenaufgang, wenn Gras und Boden noch kühl sind. Praktiker empfehlen Außentemperaturen unter 10 °C und keine direkte Sonneneinstrahlung.
In welcher Höhe fliegt man bei der Kitzrettung?
Üblich sind etwa 50 bis 60 m. Bei einer Drohne mit 640er-Wärmebildsensor ergibt das eine Bodenauflösung um 7 bis 8 cm pro Pixel, und das Wild wird durch das Fluggeräusch noch kaum beunruhigt.
Kann man Rehkitze mit einer Wärmebildkamera vom Boden aus finden?
Auf kleinen, übersichtlichen Flächen ja, wenn Sie die Wiese in engen Bahnen ablaufen. Von der Seite verdeckt das hohe Gras das Kitz aber schnell, deshalb ist die Drohne auf größeren Flächen deutlich zuverlässiger.
Darf man ein gefundenes Rehkitz anfassen?
Nicht mit bloßen Händen. Üblich ist, das Kitz mit Handschuhen und Grasbüscheln anzuheben, in einem luftigen Korb am Feldrand im Schatten zu sichern und nach der Mahd sofort wieder freizulassen. Die Suche erfolgt nur mit Erlaubnis des Jagdausübungsberechtigten.
Wer bekommt die Förderung für Kitzrettungsdrohnen?
Antragsberechtigt waren 2026 eingetragene Vereine wie Kreisjägerschaften und Kitzrettungsvereine. Privatpersonen, Einzelunternehmen und Jagdgenossenschaften waren ausgeschlossen.

Peter Mathematiker & Drohnenpilot
Peter hat Mathematik studiert und ist als FPV- und Drohnenpilot viel draußen unterwegs. Er schreibt die Rechner dieser Seite selbst und prüft jede Formel nach. So entstehen unsere Ratgeber.
Quellen
- BLE: Bundesförderprogramm Rehkitzrettung
- BLE-Pressemitteilung: Drohnen zur Rehkitzrettung 2026 (12.03.2026)
- EASA: Open category – low risk – civil drones
- Luftverkehrsgesetz, § 43 (Haftpflichtversicherung), gesetze-im-internet.de
- DJI Enterprise: Mavic 3 Enterprise Series, Spezifikationen
- DJI Enterprise: Matrice 4 Series, Spezifikationen
- BVCP: Praktische Anwendung der Rehkitzrettung mit der Drohne (KitzCon26, 21.03.2026)
- Hegering Attendorn (LJV NRW): Checkliste für die Kitzsuche mit Drohne
- topagrar: Wie effektiv ist die Kitzrettung per Drohne?
- Schutzgemeinschaft Deutscher Wald: Tierfaltblatt Reh